Erfahrungsbericht zu ABA

Mein Mann und ich haben zwei Kinder: Unser Sohn Otto ist acht und unsere Tochter Marianne ist sechs Jahre alt. Bei beiden wurde eine Autismus-Spektrum-Störung (ASS) diagnostiziert.
Seit drei Jahren arbeiten wir nach der ABA-Methode und ich möchte meine Erfahrungen mit anderen Eltern teilen.

Otto war vier Jahre alt, als wir seine Diagnose erhielten. Damals waren wir ratlos und wussten nicht, wie wir an unseren Sohn herankommen. Egal welches Spiel oder Spielzeug wir ihm angeboten haben, um seine Interesse zu wecken, er wusste sofort, wie er damit spielen will.   Alle unsere Versuche, ihm das Spiel zu erklären, endeten bei ihm in Frustration und bei uns in einer weiteren Enttäuschung. Seine Sprache war undeutlich. Er spielte nur mit Eisenbahnzügen. Wenn ihm etwas beim Spielen nicht gelang, flippte er aus, schrie und warf sich auf den Boden. Er haute auf das Spielzeug, weil er es nicht ertragen konnte, wenn etwas nicht klappt. Er hatte keine Geduld, es noch einmal oder auf eine andere Weise zu versuchen.

Mit unserer Tochter Marianne war es etwas anders. Sie ist ein ruhiger Typ und spielte meist für sich alleine. Sie schaute einem ganz selten in die Augen. Wenn sie etwas haben wollte, benutzte sie uns als ihre Werkzeuge: Sie führte uns bei der Hand z.B. zu dem Schrank und zeigte auf etwas, wo sie nicht rankam. Sich „dumm zu stellen“ brachte nichts. Egal ob zu Hause oder in der Krippe, sie hatte sehr oft so etwas wie ein Talisman in der Hand: vier bunte Würfel mit unterschiedlicher Farbe.
Sie war schon zwei, als sie anfing zu plappern, wie es ganz kleine Kinder tun. Das war auch die größte Herausforderung bei ihr, sie dazu zu bringen, die Sprache bewusst einzusetzen. Mit drei Jahren bekamen wir ihr Diagnose.

Die Psychologin, die unsere Kinder untersuchte, hat für beide ABA empfohlen.
Meine Freundin ist eine Erzieherin und sie ist fest davon überzeugt, dass die Eltern die besten Experten für ihre Kinder sind.

Aber auch die Besten wissen manchmal nicht mehr weiter und brauchen Hilfe.

Bei den psychologischen Untersuchungen haben die Ärzte immer wieder gesagt, dass beide Kinder lernfähig sind. Aber ich kam einfach nicht an sie heran, sie blockten ab. ABA zeigte mir, dass meine Kinder auf ihre Weise lernen. Sie brauchen etwas andere Bedingungen: eine hohe Motivation, mehr Wiederholungen (und man braucht mehr Geduld, natürlich) und möglichst weniger Frustration über das, was nicht sofort gelingt.

ABA erschafft Umstände, die alle diese Bedingungen erfüllen, und baut perfekte Lernmomente auf.

Die Erstberatung dauerte drei Tage, und schon am zweiten Tag habe ich gesehen, dass Otto doch mitarbeiten kann und wir ihm spielerisch vieles beibringen können. Unsere Therapeutin war sehr geduldig und konsequent. Sie hatte Verständnis für den Frust meines Sohnes, den er verspürte, als das Spiel kurz für eine Aufgabe unterbrochen wurde. Auf diese Unterbrechungen zeigte er seine übliche Reaktion: Er flippte aus, rannte schreiend aus dem Zimmer raus und kam sofort wieder, weil er doch spielen wollte und es Spaß machte! Das kennen wir alle, manchmal treiben es unsere Kinder so lange weiter, bis wir aufgegeben haben. Die Therapeutin war aber im Vorteil: Otto kannte sie noch nicht und sie konnte von Anfang an ihre Spielregeln aufstellen. Für mich war es sehr interessant zu beobachten, wie unsere Therapeutin, ein Spielzeug nach dem anderen ausprobierte, um das Richtige zu finden.

Sie hat meinen Kindern auf eine sanfte und konsequente Weise gezeigt, dass nicht jeder Reiz, der von außen kommt, etwas Schlimmes bedeutet. Und dass es auch schön und interessant sein kann, sich mal darauf einzulassen.

Damit hat sie auch für uns den Weg vorgelegt. Wir mussten ihm nur folgen. ABA unterstützt die Eltern, bildet sie zu eigentlichen Therapeuten aus, die imstande sind, mit den Kindern zu arbeiten. Gleich zu Anfang der Therapie erklärte die Therapeutin, es ist das Wichtigste, nur ruhiges, ausgeglichenes Verhalten wahrzunehmen, dabei eine positive Rückmeldung zu geben und anderes konsequent zu ignorieren. Es war nicht immer leicht, aber genau das wirkte.

Meine Kinder unterscheiden sich im Temperament. Dadurch habe ich erlebt, dass diese Methode sich dem Kind anpasst. Und man fängt die Kinder da auf, wo sie gerade in ihrer Entwicklung stehen. Bei meiner Tochter haben wir mit den Lauten angefangen: ba, da, mi, du usw. Natürlich gibt es Lernziele, aber jedes Kind lernt in seinem Tempo.

Wenn ein weiteres Lernziel ausblieb, haben wir nach der Ursache gesucht. Manchmal lag es am Material, wenn es nicht eindeutig für meine Kinder war. Manchmal war die Motivation doch nicht stark genug und Lernmomente fanden nicht statt. Ein paarmal mussten wir sogar ein Schritt zurückgehen, weil wir festgestellt haben, dass wir zu schnell zum nächsten Schritt übergegangen sind. ABA passte sich der Lerngeschwindigkeit meiner Kinder an.

Was mich an diese Methode fasziniert: Sie entwickelt sich weiter. Es wird nach neuen Möglichkeiten und Wegen gesucht, den Kindern zu helfen und ihnen zu zeigen, dass es möglich ist, sich in unserer lauten und für sie komplett chaotischen Welt gut zurechtzufinden.
Inzwischen weiß ich, dass Kinder mit ASS hypersensibel zur Welt kommen. Ihnen ist alles zu viel: das Licht, die Geräusche, der Körperkontakt. Sie spüren es so intensiv, dass es manchen von ihnen buchstäblich wehtut. Deswegen entwickeln sie bestimmte Mechanismen, die ihnen helfen, sich davor zu schützen. Sie versuchen sich abzuschirmen und bauen eine Art Wand um sich herum. Ohne diese schützende Wand sind sie dauerhaft in einem „kurz vor dem Siedepunkt“-Zustand.

ABA berücksichtigt die hohe Sensibilität unserer Kinder und beinhaltet Vorgehensweisen, die erlauben, eine Tür in diese Wand einzubauen und sie langsam zu öffnen.

Dank ABA-Methode kann ich jetzt mit meinem Sohn kleine Unterhaltungen führen: Wir streiten uns und er erzählt mir, was in der Schule passiert ist. Es ist noch ein wunderschöner Wortsalat, aber ich freue mich jedes Mal über dieses Rätsel.

Meine Tochter hat einen sehr ausdrucksvollen Blick, wenn sie mir in die Augen schaut und ihr neuster Erfolg: Sie ruft „Mama!“

Mit ABA anzufangen, war für uns die richtige Entscheidung. Sie hat unsere Familie weitergebracht und sie hat uns und unseren Kindern geholfen. Ich hoffe, meine Erfahrungen helfen anderen Eltern, eine Entscheidung für ihr Kind zu treffen.

Erfahrungsbericht zu ABA

Hier ein kurzer Bericht über unsere Erfahrungen über ABA mit unserem fünfeinhalbjährigen autistischen Sohn:

Es ist unglaublich, was unsere ABA-Beraterin mit unserem Sohn macht! Wenn sie bei uns ist, ist er ein ganz anderer Junge: Er hört zu, macht mit und freut sich. Er putzt sich seine Zähne und redet klare und gut formulierte Sätze. Er hat sogar zugelassen, dass sie ihm die Haare schneidet, ohne dabei viel zu jammern und zu meckern.

Wir lernen Vieles von ihr. Wir haben aber nicht immer die Kraft und die Lust, den großen Aufwand zu betreiben. Schließlich müssen wir unsere kleine Tochter auch noch versorgen.

Ich schaffe es momentan, zwischen 20 und 30 Minuten pro Tag mit meinem Sohn zu spielen. Ich gebe ihm dabei Punkte, und wenn er 10 Punkte erreicht hat, darf er sich etwas auswählen